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700 Jahre Abtei

Badia / Abtei – Im Laufe dieses Jahres wird es in Abtei so manche Festlichkeit geben – Anlass: ein runder Geburtstag. Und zwar dreistellig.

Vor 700 Jahren wurde Abtei erstmals urkundlich erwähnt, dabei ist das Gebiet am Fuße des Heiligkreuzkofels schon viel länger besiedelt.
Das auf 1325 Metern Meereshöhe gelegene Abtei ist der Sitz der gleichnamigen Gemeinde, zu der die Fraktionen Pedratsches, St. Leonhard, Stern und St. Kassian gehören. Überwältigend schön ist von hier aus der Blick auf die gelbroten Felsmauern des Heiligkreuzkofels und der Lavarella. Wohl auch dieses Blickes wegen haben sich hier sehr früh Menschen niedergelassen, was auch die Ausgrabungen von Sotciastel in den Jahren um 1990 belegen. „Heute weiß man, dass dies nicht der älteste Siedlungsraum des Hochabteitales ist. Die Funde in Stern, dort, wo heute der Ansitz „Rubatsch zum Stern“ steht, sind älter und reichen sogar bis ins Mesolithikum zurück. Allerdings ließen sich in Sotciastel die Siedler erstmals sesshaft nieder, was in Stern nicht der Fall war“, weiß Daria Valentin, Kulturschaffende aus Abtei. Urkundlich erwähnt wurde Abtei dann erstmals im Jahr 1325 im Sonnenburger Urbar unter dem Namen „Aptai“. Grund für die Feierlichkeiten, die in der Vorstellung eines Buches über die Geschichte von Abtei, kuratiert von Daria Valentin, ihren Abschluss finden werden.

Sprache und Kultur
Wenn man sich die Frage stellt, was sich im Hinblick auf die ladinische Kultur rund um Abtei in den vergangenen Jahrhunderten getan hat, wird klar, dass die Thematik komplex ist. „Was die ladinische Kultur betrifft, merken wir sofort, dass sich diese sehr mit der tirolerischen Kultur vermischt. Denken wir nur an die kirchlichen Feiern oder an viele Bräuche, die nicht nur in Gröden und dem Gadertal gehalten werden, sondern in ganz Südtirol bzw. in ganz Tirol. Ob diese (Tiroler) Kultur auf die ladinische basiert oder umgekehrt, lasse ich dahingestellt, denn schließlich wissen wir, dass die ladinische Sprache ursprünglich vom Bodensee bis Triest verwendet wurde und dass also viele kulturelle Aspekte mit dieser Sprache in Verbindung gebracht werden könnten“, stellt Daria Valentin fest. Wenn sich auch einiges zu vermischen scheint, trifft man doch vor allem in den Weilern noch die typische ladinische Architektur und eine ursprüngliche Lebensweise an. Und der berühmte Volkskundler Karl Felix Wolff hat alte ladinische Sagen in Bruchstücken von alten Bauern und Hirten erfahren und sie so in unsere Zeit herübergerettet. Sie sind uralte Zeugnisse der ladinischen Volkskultur und des Volksglaubens aus rätischer Zeit. Und vielleicht enthalten diese literarischen Denkmäler rätischer Vorfahren ja sogar mehr als den berühmten Funken Wahrheit, der ihnen seit jeher zugeschrieben wird? Fest steht, die ladinische Sprache hat sich aus der Verbindung zwischen einer rätischen Variante und dem Vulgärlatein gebildet. „Das Rätische wird als Sprache der ersten Siedler betrachtet, während das Vulgärlatein von römischen Söldnern und Händlern in die Alpen gebracht wurde“, erklärt Daria Valentin. „Das Ladinische kann deshalb als Schwestersprache der anderen neolateinischen Sprachen wie das Italienische, das Französische, das Spanische, das Portugiesische und das Rumänische betrachtet werden. Man könnte der Meinung sein, es sei dem Italienischen sehr ähnlich, aber es unterscheidet sich wesentlich vor allem in der Morphologie und in der Syntax, wo wir noch sehr alte Relikte finden, denken wir nur an die Deklinationreste des Lateinischen, wie wir sie bei der Pluralbildung von Wörtern wie fre (Bruder) – fredesc (Brüder), oder möta (Mädchen) – mitans (Mädchen) finden.“ Man kann sich also auf ein sehr interessantes Buch zur Geschichte von Abtei und auf schöne Feierlichkeiten freuen. 700 Jahre sind schließlich ein würdiger Anlass.
IB